
Ruedi Heim, die Kifa AG hat kürzlich ihre Geschäftsbe-reiche neu strukturiert. Was waren die Hintergründe und Vorteile dieser Entscheidung?
Wir haben KIFA|PACK(Verpackungen) und KIFA SYS-TEMBAU (Bau) bewusst getrennt, um uns gezielter auf die jeweiligen Märkte und Kundenbedürfnisse konzentrieren zu können. Abgesehen vom gemeinsamen Werkstoff Holz sind die beiden Branchen und ihre alltäglichen Herausforderungen mittlerweile so unterschiedlich, dass die faktische Trennung unter anderem personaltechnisch absolut Sinn ergibt. Während ich beim Systembau hauptsächlich als Verwaltungsratspräsident fungiere, leite ich den Verpackungsbereich auch operativ. In den letzten zehn Jahren haben wir hier alle Prozesse digitalisiert und unsere Wertschöpfungskette so optimiert, dass wir heute direkt in die Prozesse unserer Kunden eingebunden sein können. Dadurch können wir deren Produktionsprozesse nahtlos unterstützen und Mehrwert schaffen. Dieses Alleinstellungsmerkmal macht uns nicht nur effizienter, sondern eröffnet uns auch neue Marktchancen, da wir individuelle Kundenanforderungen in Rekordzeit er-füllen können.
Sprachen wir also über den Verpackungs-Bereich. Rückblickend: Wie hat sich die KIFA|PACK seit der Gründung entwickelt?
Unser Unternehmen wurde 1919 von meinem Urgrossvater gegründet, in einer Zeit, in der die Stickerei-Industrie in der Ostschweiz stark war. Ursprünglich waren wir eine klassische Kistenfabrik, die sich auf einfache Holzverpackungen spezialisiert hat. Mit dem wirtschaftlichen Wandel und dem Aufstieg der Maschinenindustrie haben wir unser Angebot kontinuierlich erweitert. Heute sind wir ein Komplettdienstleister, der individuelle Verpackungslösungen, Logistik und digitale Dienstleistungen bietet. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir stets mit den Anforderungen unserer Kunden gewachsen sind und gleichzeitig unseren Standort in der Schweiz behalten haben.
Was waren wichtige Meilensteine in der jüngeren Geschichte?
Ein zentraler Meilenstein war die Zusammenarbeit mit DB Schenker im Jahr 2015. Im Rahmen dieses Projekts (für AIRBUS) haben wir uns auf komplexe Ersatzteilverpackungen spezialisiert und unsere Prozesse auf ein neues Niveau gehoben. Zum ersten Mal haben wir umfassende digitale Dashboards entwickelt, die Kunden weltweit eine transparente Nachverfolgung unserer Leistungen ermöglichen. Diese Innovation hat uns nicht nur organisatorisch, sondern auch technologisch enorm vorangebracht. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Einführung unseres Online-Konfigurators, der es Kunden erlaubt, Verpackungen rund um die Uhr individuell zu gestalten. Solche Schritte haben uns international sichtbar gemacht und neue Kundensegmente erschlossen.
Digitalisierung ist ein Schlüsselthema. Wie hat sich die KIFA|PACK hier positioniert, und welche Vorteile ergeben sich daraus?
Die Digitalisierung ist für uns ein zentraler Hebel, um wettbewerbsfähig zu bleiben und unseren Kunden bestmöglichen Service zu bieten. Unsere digitale Plattform ist heute das Herzstück unserer Dienstleistungen. Sie ermöglicht es unseren Kunden, ihre Verpackungsprozesse in Echtzeit zu verfolgen – vom Eingang der Bestellung über die Produktion bis hin zur Auslieferung. Ein konkretes Beispiel: Früher benötigten wir für die Koordination zwischen Kunden, Zulieferern und Logistikteams oft mehrere Tage. Heute kann dies durch unsere digitalen Dashboards in wenigen Stunden erfolgen. Kunden erhalten Transparenz über den gesamten Prozess, können Verpackungen konfigurieren und die Lieferung optimieren. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Kosten, insbesondere bei komplexen internationalen Lieferketten.
Die Vorteile sind enorm:
Zusätzlich sehen wir Digitalisierung auch als Antwort auf den Fachkräftemangel. Wissen wird in unseren digitalen Prozessen gespeichert, was neue Mitarbeiter schneller produktiv macht. Langjährige Erfahrung bleibt erhalten und steht jederzeit zur Verfügung, was uns unabhängig von einzelnen Ressourcen macht.

Welche Branchen bedienen Sie und wo liegen Ihre geografischen Schwerpunkte?
Unsere Kunden kommen aus allen produzierenden Branchen, mit einem klaren Schwerpunkt in der Luft- und Raumfahrt, der Maschinenindustrie und der Fahrzeugtechnik. Die geografischen Schwerpunkte liegen aktuell in der Schweiz, wo wir auch produzieren, und in angren-zenden europäischen Märkten. Unsere Vision ist jedoch, uns international weiter zu etablieren und vor allem in anspruchsvollen Märkten, die hochkomplexe Verpackungslösungen benötigen, stärker vertreten zu sein.
Wie begegnen Sie dem Fachkräftemangel?
Der Fachkräftemangel ist für uns eine Herausforderung, aber auch eine Chance. Wir setzen stark auf die Digitalisierung, um Arbeitsabläufe zu optimieren und Wissen zu sichern. Dadurch können wir neue Mitarbeitende schneller einarbeiten und deren Produktivität steigern. Ein weiterer Vorteil ist, dass digitale Prozesse unser Unternehmen resilienter machen – wir sind weniger abhängig von individuellen Experten, da das Wissen im System gespeichert ist. Das erlaubt uns, effizient zu bleiben, auch wenn der Arbeitsmarkt angespannt ist.
Was macht die KIFA|PACK in Bezug auf Lieferzeiten und Qualität besonders?
Unsere Stärke liegt in der Kombination aus Digitalisierung und modernen Produktionsanlagen. Während wir früher für einfache Einwegkisten mehrere Tage benötigten, können wir heute dank optimierter Prozesse Lieferzeiten von nur wenigen Stunden bis maximal drei Tagen garantieren. Dies gilt für Standard- und Maßanfertigungen gleichermassen. Unsere Liefertermintreue liegt bei über 99 %, was zeigt, dass wir Prozesse im Griff haben. Auch bei der Qualität setzen wir Massstäbe: Nahezu fehlerfreie Produktionen sind bei uns Standard. Das gibt unseren Kunden die Sicherheit, die sie für ihre eigenen Lieferketten benötigen.
Haben Sie mitunter schlaflose Nächte?
(lacht) Natürlich gibt es immer Herausforderungen, vor allem wenn kurzfristige Änderungen erforderlich sind. Aber unsere Antwort darauf sind stabile Partnerschaften und ein flexibles, digitales System, das uns erlaubt, auch unerwartete Anforderungen schnell zu bewältigen. Das gibt uns die nötige Sicherheit – und ein bisschen Schlaf.
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